Zweisprachiger wissenschaftlicher Sammelband
Das Hauptanliegen des Wissenschaftlichen Institutes der Burgenländischen
Kroaten, ZIGH, besteht darin, die burgenlandkroatische Sprache vor
dem Aussterben zu bewahren und ihren Sprechern die Sprachkompetenz
zu erhalten. Wie geschieht das? Jeden Monat finden Sitzungen der Sprachkommission statt. Diese hat sich
der Lexikographie verschrieben, also dem Verfassen bzw. dem Weiterführen
des burgenlandkroatischen Wörterbuches.
Dieses Wörterbuch feiert
heuer sein silbernes Bestandsjubiläum. Auch heute noch ist seine
Popularität ungebrochen. Deshalb hat das Wissenschaftliche Institut im
Rahmen der Sprachkommission seit 1995 dieses äußerst begehrte Basiswörterbuch
des Burgenlandkroatischen um mehr als 3000 Lemmata, also
Eintragungen, erweitert. All diese Wörter sind im "Znanstveni zbornik" abgedruckt.
Deutschsprachige Artikel
Erstnennung von
Kroaten
Was hat der aus Aspang gebürtige Christof mit der Erstnennung von
Kroaten zu tun? Der besagte Christoph stahl nämlich im Jahre 1528 in
Baumgarten/Pajngrt einem Kroaten zwei Ochsen, aus Verzweiflung und Armut,
weiß Karl Kaus, der im Znanstveni ZBORNIK einen Artikel dazu in deutscher
Sprache abgefasst hat.
Karl Kaus wollte Näheres auch über das
Friedhofskreuz mit Pieta in Klingenbach/Klimpuh wissen und recherchierte.
Die Ergebnisse können im ZBORNIK nachgelesen werden.
Kroaten in Niederösterreich
Auch
Wilhelm-Stempin hat die Ansiedlung von Kroaten im Visier. Beim Lesen
seines Artikels in deutscher Sprache nehmen wir einen Szenenwechsel
ins Marchfeld vor, etwa nach Engelhartstetten/Poturna, nach Essling,
das heute dem 22. Wiener Gemeindebezirk einverleibt ist, nach Loimersdorf/
Limištrof, wo sich das Kroatische am längsten halten konnte und es
auch heute noch zahlreiche kroatische Familiennamen und Flurnamen
gibt. Wilhelm-Stempin führt uns auch nach Orth an der Donau/Šari
Grad und nach Wagram, das bis 1890 Kroatisch Wagram/Ogrun hieß.
Eberhard Maria Kragel stammt aus Trausdof/Trajštof
Wer wusste schon, dass der Servit und Professor für Dogmatik, Pater
Eberhard Maria Kragl, mütterlicherseits aus Trausdorf/Trajštof stammt? Kragl
verfasste das in sprachlicher Hinsicht beeindruckende barocke Prosawerk
über die vier letzten Dinge, “CSETVERO-VERSZTNI DUHOVNI PERSZTAN”,
das von den Kroaten jener Tage viel gelesen wurde. Christian Szivacz
hat Kragls Stammbaum unter die Lupe genommen und berichtet
Genaures im ZBORNIK.
Identitätsentwicklung
kroatischsprachiger Kinder
Ein ganz ein anderes Thema hat Christina Strasser aufgegriffen, welches auch mit Sprache zu tun hat: Sie erforschte die Identitätsentwicklung
kroatischsprachiger Kinder in Nikitsch/Filež. Ob nun das Kroatische subjektiv
als Bereicherung empfunden wird, ob Deutsch und Kroatisch als
gleichwertige Sprachen anerkannt werden, ob das Switchen zwischen den
einzelnen Sprachen bei Kindern mit kroatischer Muttersprache problemlos
vonstatten geht, lesen Sie in der 2. Edition des Znanstveni ZBORNIK.
Znanstveni ZBORNIK heißt übersetzt "Wissenschaftlicher Sammelband".
Agnes Csenar-Schuster (Chefred.): Znanstveni zbornik, ZIGH, Mattersburg 2006.; Format: 165 x 235 mm, 136 S. , ISBN 3 901 70612 |