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06.07.2010

Aus dem Werdegang der Sprache und Literatur der Burgenlandkroaten

In diesem durchgehend zweisprachigen Buch werden vier Jahrhunderte Sprachgeschichte mit Beiträgen zur Entwicklung der kroatischen Sprache im Burgenland dokumentiert.

Aus dem Werdegang der Sprache und Literatur der Burgenlandkroaten

Dem Buch mit dem Titel Aus dem Werdegang der Sprache und Literatur der Burgenlandkroaten liegen philosophische Themen zu Grunde, die der Autor Alojz Jembrih im Laufe der Zeit auf wissenschaftlichen Symposien und in öffentlichen Vorträgen behandelt hat. Sein wissenschaftliches Interesse für die burgenlandkroatische Schriftsprache reicht in die Siebzigerjahre des vorigen Jahrhunderts zurück, in die Zeit seines Slawistikstudiums in Wien, als er noch in der Redaktion der Zeitschrift des Kroatischen Akademikerklubs Novi glas mitarbeitete.

 

Beginn des Schrifttums der Burgenlandkroaten

Der erste Band der Burgenlandkroatischen Studien umfassen sieben verschiedene Themenkreise. Die Abhandlung des ersten Kapitels, Ein schriftsprachliches Experiment, ist einem 1568 in Regensburg gedruckten Buch gewidmet, das die Istrianer Stefan Consul und Anton Dalmata den auf den Gütern der Adeligen Johann Weißpriach und Maximilian Polheim in der Umgebung Eisenstadts ansässigen Kroaten zugedacht hatten. Der Titel des Buches lautet: Parvi del Postile Evanjeliov. Mit dem ersten Teil dieser Evangelienpostille wird in der kroatischen Literaturgeschichte, insbesondere bei den Burgenlandkroaten, der Beginn des Schrifttums markiert.Ob das Werk seinen Zweck erfüllte, bleibt dahingestellt, aber es hatte, wenn auch nur für kurze Zeit, unter den damaligen Kroaten in der Umgebung von Eisenstadt seine Hörer- und Lesergemeinde. Die Postille (1568) belegt außerdem als literarisches und sprachliches Experiment bereits im 16. Jahrhundert die Existenz der Burgenlandkroaten in der Eisenstädter Umgebung. Der Nachdruck des ersten Teils dieses seltenen Buches wurde im Jahre 1993 veröffentlicht, um weitere sprachliche Forschungen zu ermöglichen. In der Abhandlung werden die Geschichte des Druckes, Consuls Ankunft in Eisenstadt und die sprachlichen Eigenheiten des Buches beleuchtet.

 

Die Gesangbücher des Gregorius Mekinich (Pythiräus)

Die zweite Studie ist dem Wirken des ersten burgenlandkroatischen Schriftstellers, Übersetzers und Dichters, Gregorius Mekinich (Pythiräus), des Autors der beiden ersten gedruckten kroatischen Gesangsbücher in der Geschichte der kroatischen Literatur und Musik, gewidmet. Dabei handelt es sich um geistliche Lieder Dusevne peszne, gedruckt 1609 und 1611, in Deutschkreutz bei Sopron. Da es sich bei Mekinich um einen Schriftsteller (Dichter) unter den Burgenländischen Kroaten handelt, der seine Geistlichen Lieder in der damaligen burgenlandkroatischen Sprache schrieb, aus dem Lateinischen, Deutschen und Ungarischen übersetzte, wird er mit Recht als Begründer der Schriftsprache der Burgenlandkroaten im 17. Jhdt. betrachtet. Daher wurde für das zweite Kapitel der Titel Erstling auf dem eigenen Sprachfundament gewählt. Mekinichs Lieder werden auch im Lichte der europäischen Barockliteratur betrachtet.

 

Katechismus von Georg Damshicz aus dem Jahre 1744

Das dritte Kapitel Die Aneignung von Glaubenswahrheiten in der vertrauten Sprache stellt den bisher ältesten und in der Literatur bislang unbekannten burgenländischkroatischen Katechismus aus dem Jahre 1744 vor. Entdeckt wurde er durch den Autor dieser Studie. Das Wissenschaftliche Institut der Burgenländischen Kroaten in Eisenstadt hat ihn im Nachdruck herausgebracht. Mit der Entdeckung des Katechismus wurde in der Person Georg Damshicz’ auch ein neuer Verfasser unter den burgenlandkroatischen Priestern der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts bekannt. Der Katechismus Kratka sprava nauka kerschianzkoga ist eine kurze Zusammenfassung der christlichen Lehre.

 

Der kroatokajkavische Einfluss

Das vierte Kapitel im Buch Auf dem Weg der sprachlichen Annäherung zeigt anhand einiger Beispiele den kroatokajkavischen Einfluss auf die Schriftsprache der Burgenlandkroaten im 17. und 18. Jhdt. auf.

 

Korrespondenz von Martin Borenich mit Janko Barlè

Briefkontakte nach Zagreb sind Gegenstand des fünften Kapitels. Die Briefe Martin Borenichs an den Zagreber Kannonikus Janko Barlè enthalten wichtige Unterlagen für die kulturpolitische und soziolinguistische Situation im Burgenland in den Jahren 1903, 1922, und 1928. Die Kommentare und Anmerkungen zu den Briefen enthalten eine Reihe neuer Fakten zur Geschichte des Schulwesens, der Sprache und der Kultur der Kroaten des Burgenlandes.Den Briefen Borenichs wurde auch die Korrespondenz des berühmten Wiener Universitätsprofessors und Slawisten Vatroslav Jagić (1838–1923) beigelegt.

 

Die sprachlichen und poetischen Beziehungen Miloradić – Blazovich

Da das geschriebene und gedruckte burgenlandkroatische Wort als einer der Hauptfaktoren für die historische Behauptung der Burgenlandkroaten anzusehen ist, muss der Poesie Pater Augustin Blazovichs besonderes Augenmerk gewidmet werden. Blazovich setzt doch dort an, wo Miloradić verstummte. Die sprachlichen und poetischen Beziehungen Miloradić – Blazovich sind unter dem Titel Hüter von Sprache und Tradition zusammengefasst.

 

Sprache zwischen Norm und Kodifizierung

Die Schriftsprache der Burgenlandkroaten trat in den Fünfzigerjahren des 20. Jahrhunderts in eine neue Entwicklungsphase. Man begann nämlich intensiver über deren Norm nachzudenken. Die verschiedenen Ansichten der Burgenlandkroaten zu dieser Problematik zeigt das letzte Kapitel der Studien auf: Die burgenländischkroatische Sprache zwischen Norm und Kodifizierung.

Alojz Jembrich: "Na izvori gradišćanskohrvatskoga jezika i književnosti/Aus dem Werdegang der Sprache und Literatur der Burgenlandkroaten", Bibliothek der Burgenlandkroatischen Studien, Band 1; Oberwart 1997.; Format: 150 x 237 mm, illustr., 384 Seiten, ISBN 3-901-70602

 

 

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